Am ersten Oktober 1974 betraten die ersten Germanistik-Studenten der Schlesischen Universität ihre Unterrichtsräume an der Pulaski-Straße 6 in Sosnowiec.
Sie begannen ihr Studium am Lehrstuhl für Germanische Philologie, einem Teil des Instituts für neue Philologie unter der Leitung von Professor Kazimierz Polanski.
Die Entstehung der oberschlesischen Germanistik verdankt sich dem Engagement und der Unterstützung der Universität Breslau und ihres Instituts für Germanische Philologie. Dies gilt sowohl in didaktischer, als auch wissenschaftlicher Hinsicht.

Die oberschlesische Germanistik machte ihre ersten Schritte dank Professor Norbert Morciniec, dem Sprachwissenschaftler und Niederlandisten.
Anfangs wurde der Unterricht vor allem von Dozenten der Universität Breslau durchgeführt, die eigens dazu anreisten. Jahr um Jahr gewann der Lehrstuhl eigene Mitarbeiter. Als Assistenten oder Adjunkten begannen zu wirken: Grażyna Barbara Szewczyk, Czesława Schatte, Zygmunt Mielczarek, Christoph Schatte und Jan Iluk. Mit der Zeit erfreute sich die Sosnowiecer Germanistik eigener Absolventen. Gegenwärtig lehren und forschen am Institut für Germanische Philologie der Schlesischen Universität vierundzwanzig Mitarbeiter, die ihr Studium hier abgeschlossen haben.
Besonders wichtig für das Aufblühen der Germanistik in Sosnowiec war Dr. Karol Koczy, der den Lehrstuhl 1976-1980 leitete. Er pflegte seinen Studenten Bücher mitzubringen, die in der Bibliothek nicht zu bekommen und deshalb heiß begehrt waren.
Professor Karol Musioł und Professor Norbert Honsza leiteten den Lehrstuhl in den siebziger und achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, einer schwierigen Zeit des politischen Umbruchs.

Im Jahr 1989 wurde der Lehrstuhl für germanische Philologie in ein Institut umgewandelt, nachdem ein weiterer selbständiger wissenschaftlicher Mitarbeiter gewonnen worden war. Als Direktor des neuen Instituts für germanische Philologie wirkte Dr. habil. Zygmunt Mielczarek, als sein Stellvertreter Dr. habil. Jan Iluk. Das neugegründete Institut bestand, wie heute, aus vier Lehrstühlen, dem Lehrstuhl für deutsche Sprache unter der Leitung von Dr. habil. Czeslawa Schatte, dem Lehrstuhl für die Didaktik der deutschen Sprache unter der Führung von Dr. habil. Jan Iluk, dem Lehrstuhl für die Geschichte der deutschen Literatur unter Dr. habil. Zygmunt Mielczarek und dem Lehrstuhl für Literaturtheorie und Komparatistik unter der Leitung von Dr. habil. Grażyna B. Szewczyk.

Die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sahen eine starke Entwicklung des Instituts. Die Anzahl der Studenten wuchs, neue Formen des Studiums entstanden. Ab dem Wintersemester 1993/94 konnte der Magisterstudiengang absolviert werden, das Abend- und Fernstudium kam hinzu. Die Bestände der Bibliothek wurden ergänzt und erweitert, Computer und andere Hilfsmittel angeschafft, den Studenten Gastsemester im deutschsprachigen Ausland ermöglicht. Das Archiv der Schlesischen Universität birgt bis heute Dankesbriefe für Buchspenden und andere Zuwendungen wie z.B. Computer. Unter den Gönnern sind die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Warschau, das Generalkonsulat der Republik Österreich in Krakau, die schweizerische Stiftung pro Helvetia, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Universität Trier, die eine Partneruniversität der Schlesischen Universität ist. Große Verdienste kommen auch dem Goethe-Institut zu, das in den neunziger Jahren viele Treffen mit deutschsprachigen Schriftstellern für Studenten und Dozenten, Theateraufführungen und Schulungen für Deutschlehrer organisiert hat.
Nach dem Jahr 2000 erweiterte das Institut unter der Leitung von Professor Grażyna B. Szewczyk sein didaktisches Angebot. Seit dem Wintersemester 2001/02 gibt es die Möglichkeit, die Spezialisierung „Kultur und Literatur der deutschsprachigen Länder“ zu studieren. Im Wintersemester 2006/07 wurde das Lehramtsstudium Deutsch mit Schwedisch eröffnet. In beiden Studienrichtungen kann der Magistertitel erworben werden. 2011 wurde die Spezialisierung „Fachübersetzer und –dolmetscher“ eröffnet, welche in drei Jahren bis zum Baccalaureat führt, im Herbst 2014 folgte die Spezialisierung „Fachübersetzer und -dolmetscher für Wirtschaft und Recht“ als zweijähriges Aufbaustudium nach dem Baccalaureat.

Der 30. Mai 2008 ist ein besonderes Datum. An diesem Tag zog das Institut in das neuerbaute Didaktische Zentrum der Neophilologischen Fakultät der Schlesischen Universität an der Grot-Rowecki-Straße 5 um. Er brachte den Abschied von der alten Villa mit ihren Eichenstiegen und Wannen, in der das Institut untergebracht war.

Die oberschlesische Germanistik und ihre Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Instituten

Das Institut für Germanische Philologie der Schlesischen Universität war während der vierzig Jahre seines Bestehens stets mit wissenschaftlichen Einrichtungen im Ausland verbunden. Langjährige intensive Kontakte verbinden unsere Mitarbeiter und Studenten mit der Pädagogischen Hochschule in Erfurt, den Universitäten in Trier, Halle, Greifswald und Essen, sowie dem Institut für deutsche Sprache in Mannheim. Seit fünfzehn Jahren ist auch die Universität Stockholm ein wichtiger Partner unseres Instituts.

Wichtige wissenschaftliche Partner in der Republik Polen sind die germanistischen Institute in Breslau, Warschau, Krakau und Posen.

Zum Forschungsprofil des Instituts für germanische Philologie
Die Forschungen des Instituts für germanische Philologie gelten vor allem fünf Schwerpunkten. Diese bilden:

1. die Literatur und Kultur Oberschlesiens,
2. die deutschsprachige Literatur im 19. und 20. Jahrhundert unter komparatistischem und interkulturellem Aspekt,
3. die Theorie der Literatur und der literarischen Übersetzung,
4. die Schweizer Literatur,
5. Sprachwissenschaft und Glottodidaktik, darunter allgemeine und angewandte Linguistik, Pragma- und Soziolinguistik; besonderes Interesse wird der Lexikologie und Lexikographie, sowie der Fachsprachforschung gewidmet.

Konferenzen

Das Institut für germanische Philologie der Schlesischen Universität hat bereits zu vielen wissenschaftlichen Konferenzen eingeladen, die unterschiedlichen Fragestellungen zur Literatur und Kultur der deutschsprachigen Länder galten. Die erste Konferenz des Instituts war der österreichischen Literatur der Gegenwart gewidmet, die nächsten dem Schaffen Christa Wolfs und der Schweizer Literatur. Viele Symposien folgten, gelegentlich derer sich Germanisten aus Polen und Deutschland über schlesische Schriftsteller wie Gerhart Hauptmann, Horst Bienek und August Scholtis austauschen konnten.

Übersetzt von Karsten Dahlmanns