Konferencja: Poetus literarus. Heinrich Böll

Das Germanistische Institut der Schlesischen Universität Katowice und der Köln-Kattowitz Verein laden zu einer internationalen wissenschaftlichen Tagung ein:

Poetus literarus. Heinrich Böll zum 100. Geburtstag

Katowice, 19.-20. Oktober 2017.

Zum 50. Geburtstag Heinrich Bölls zollte der Philosoph Theodor W. Adorno dem Kölner Autor sein Lob und bezeichnete ihn darin als „einen der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller seiner Generation, von internationalem Ruf“. Der Stellenwert des ersten bundesdeutschen Nobelpreisträgers blieb damals festgelegt. Mit seinen Kriegs- und Nachkriegsbildern der bundesrepublikanischen Wirklichkeit prägte Heinrich Böll die Entwicklung der westdeutschen Literatur im wesentlichen Maße und machte sie, besonders mit dem Typus „des guten deutschen Menschen“ (Eduard Goldstücke), europa- und weltweilt bekannt. Als „der andere Deutsche“ (Heinrich Vormweg) sah er mehr als andere gesellschaftliche Vertreter und übernahm pflichtbewusst die Rolle „eines literarischen Begleiters und Kommentators der Bundesrepublik“ (Leszek Żyliński), was ihm sowohl treue Leser als auch feindselige Kritiker eingebracht hat. Selbst den Schriftsteller würdigender Adorno sprach ihm den Titel eines poetus literarus ab. Zwar hatte Böll „eine feine Nase für Themen, die den Deutschen auf den Fingern brannten“ (Marcel Reich-Ranicki), trotzdem konnte sein Werk aus Sicht des deutschen Literaturpapstes vor Vergessenheit nicht bewahrt werden. Schaut man sich aber einen Ausschnitt aus dem Katalog der Böll’schen Themen an, scheinen sie mehr der Gegenwart entnommen zu sein, als je zuvor: „das Jahrhundert der Vertriebenen und Gefangenen” (Jerusalem, 1974), Humanität im praktischen Leben einer Gemeinschaft, verstanden als „Nachbarschaft, Vertrauen“ (Frankfurter Vorlesungen, 1964) oder die Solidarität mit „menschlichem Abfall“ (Stockholm, 1972).
Diese und viele andere Aspekte lassen zum 100. Geburtstag des Schriftstellers Heinrich Böll (1917-1985) sein Schaffen erneut in Augenschein nehmen und dessen zeitlosen Geist beleuchten bzw. hinterfragen. Aus diesem Anlass veranstaltet das Germanistische Institut der Schlesischen Universität/ Katowice zusammen mit dem Köln-Kattowitz Verein eine internationale Tagung, die dem Leben und Werk Heinrich Bölls gewidmet wird. Neben kanonisierten Texten werden weniger bekannte Werke des Kölner Autors, z.B. seine Aufsätze, Reden, Essays und Briefe ins Zentrum des Interesses polnischer und deutscher Literaturwissenschaftler gerückt sowie biographische, komparatistische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen behandelt.

Besondere Aufmerksamkeit soll folgenden Aspekten geschenkt werden:
1. Bölls Werk aus Sicht moderner kulturwissenschaftlicher Theorien.
2. Narrative Strategien des Schriftstellers vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Narratologie.
3. Heimat und „Vertriebenheit“.
4. Bölls rheinländische Heimat.
5. Die „Ethik des Humanen“ aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts.
6. Konsum- und Mediengesellschaft in den Werken H. Bölls.
7. Heinrich Böll und seine Zeitgenossen.
8. Bölls Rezeption in der BRD, Polen und anderen europäischen Ländern.
9. Bölls Nachlass.

Organisatorisches
Termin: 19.-20.Oktober 2017
Ort: Biblioteka Śląska, Katowice
Konferenzgebühr: 250 PLN/oder 60 Euro
Anmeldefrist: 30.Mai 2017
Kontaktadresse und Anmeldung: boell100@gmail.com